DIE GESCHICHTE DER BAND (english version)
Die Siebziger Jahre
Der Gitarrist Danny Andrey und der Bassist Teddy Riedo gründeten im Frühjahr 1970 eine neue Band: Ertlif. Beide Musiker spielten zuvor bei der Basler Band Egg & Bacon. Das Line-up wurde mit dem Organisten James Mosberger (The Only Ones, The Countdowns), dem Schlagzeuger Hans-Peter Bölle Börlin (The Countdowns) und dem Gitarristen Martin Ruder (Fresh Pastry) vervollständigt.
Dabei konnte man gut und gerne von einer Supergroup reden, vereinigte sich doch die Crème der damaligen Basler Musiker-Szene. Die Band spielte von Anfang an praktisch ausschliesslich eigenes Material. Psychedelisch angehauchte Improvisationen und weiche, träumerisch-lyrische Elemente wechselten mit rockigen Passagen ab. Die Band entwickelte sich auch sofort zum kreativen und spielfreudigen Live-Akt. Die beiden Gitarristen und die Hammond-Orgel ergänzten sich harmonisch und fliessend. Zusammen mit der starken Rhythmussektion prägten sie den unverwechselbaren Ertlif-Sound. Der Höhepunkt dieser ersten Formation kam, als die Band am Pop Monsterkonzert von Münchenstein im August 1971 als einzige Schweizer Formation auf der Bühne stand.Im Oktober 1971 verliess Martin die Band. Er wurde durch Richard John Rusinski (Autumn Symphony) mehr als nur ersetzt. Der neue Mann, ein ehemaliger Profimusiker, brachte nicht nur eine ausdrucksstarke Stimme und eine dynamische Bühnenpräsenz in die Formation ein, sondern passte auch menschlich optimal. Als eine der ersten Schweizer Bands setzte Ertlif live und auf Platten Mellotron und Synthesizer ein. Damit legte man deutliche Akzente auf einen melodiösen Rock, ohne aber die Wurzeln im Rhythm & Blues zu vernachlässigen. Ertlif wusste mit perfekten Arrangements und instrumentaler Virtuosität zu überzeugen. Eine Schweizer Tour zusammen mit Toad war das Ergebnis wachsender Popularität. Die Band avancierte schnell zu einer der Topbands und erhielt als eine der ganz wenigen Schweizer Gruppen einen Plattenvertrag.
Im August 1972 wurde in nur drei Aufnahmetagen eine LP produziert, die heute zu den gesuchten Vinyl-Raritäten gehört. Zusammen mit einer Single kam die LP im Oktober 1972 auf den Markt. Radiointerviews, TV-Auftritte und ein riesiges Presse-Echo waren die Folge. Im Basler Atlantis wurde die Promotion-Tour mit drei restlos ausverkauften Konzerten gestartet.
Im Juni 1973 verliess Danny die Band. Er wurde durch den Gitarristen Robi Süffert (Gad Fly) ersetzt. Für kurze Zeit erweiterte Andy Gerber (Violine und Piano) die Formation. Kurz danach nahm die Band für den Rock-Sampler Heavenly and Heavy - Mixed Swiss Rock Candies den Song Plastic Queen auf. Ertlif setzte mit ihrem symphonischen Rock neue Massstäbe. Für die Aufnahme von Plastic Queen verwendeten sie erstmals einen programmierbaren Synthesizer (VCS 3), den Teddy einige Monate zuvor zusammen mit Sprengmaterial in London gekauft hatte. Als erste Schweizer Band rundete Ertlif nämlich die Liveauftritte mit pyrotechnischen Reizen ab, indem während der letzten Nummer jeweils kleine Sprengsätze mit Magnesiumpulver gezündet wurden, die auf den Boxen platziert waren. Die grellen Lichtblitze und der entsprechende Qualm läuteten in dramatischer Art die Schlussakkorde ein. Die Zündung wurde jeweils vom Bassisten per Fusspedal über eine Autobatterie ausgelöst.
Obwohl die Band noch immer musikalische Highlights setzte, begann sich das Personalkarussel langsam zu drehen. Andy verliess die Band bereits im Winter 1973 wieder und im Januar 1974 ersetzte Urs Schumacher (Gad Fly) den Schlagzeuger Bölle. Der Sound, seit dem Zuzug von Robi rhythmischer, war wohl in dieser Phase am dramatischsten. Zu den keyboardlastigen Teilen, zu denen Bassist Teddy auf einer Farfisa-Orgel (Modell Duo Compact) seinen Teil beisteuerte, kamen gitarrenbetonte Elemente, die live oft spektakulär verschmolzen und den Ruf als gute Liveband weiter festigten. Die meisten Stücke, so auch eine erste Version des Edgar Flee, entstanden in kreativer Zusammenarbeit. Im Herbst 1975 verliess James und mit ihm sein Mellotron die Band. Er wurde durch Jürg Lützelschwab (Gad Fly) ersetzt. In dieser Zusammensetzung spielten Ertlif deutlich rockiger.
Aber das ursprüngliche Feuer und die Magie waren nicht mehr da und irgendwann war dann die Luft draussen. Die Band löste sich im Herbst 1978 auf. Die einzelnen Mitglieder suchten und fanden neue Herausforderungen. Trotzdem verlor man sich nie aus den Augen.
Eine LP wird wiederveröffentlicht
1992 gab Black Rill Records die legendäre blaue Ertlif-LP auf Vinyl wieder heraus (1994 erschien sie auch als CD). Es war nicht allzu schwierig, die Band in ihrer erfolgreichsten Besetzung mit Andrey, Börlin, Mosberger, Riedo und Rusinski für die Plattentaufe im Basler Atlantis zu einem Konzert zu animieren. Wie beim musikalischen Potential der einzelnen Mitglieder allerdings nicht anders zu erwarten war, geriet die Vorbereitung für diesen Auftritt und der Abend selbst zu weit mehr als nur zu einem Weisch-no-Plausch. Die musikalische Pause schien allen nur gut getan zu haben, denn die Band spielte im Atlantis frisch und voller Spielfreude. Die Herren waren sich vor dem Abend im Atlantis einig, dass es sich bei diesem Auftritt um eine einmalige Sache handeln sollte. Und tatsächlich fand danach ein Jahr lang keine Probe mehr statt. Man dachte ungezwungen über neue Projekte nach.
HeuteSeit Oktober 1993 wird wieder regelmässig geprobt und live gespielt. Um den Ansprüchen an einen noch kompakteren, originelleren und kreativeren Sound optimal gerecht zu werden, haben sich die Fünf verstärkt. Als neues festes Mitglied ist Andy Seghers (Looking Back) in die Band aufgenommen worden. Der versierte Leadgitarrist und Blues-Liebhaber hat sich kongenial - sowohl menschlich als auch musikalisch - in die Formation eingefügt.
Ertlif gibt jedes Jahr einige wenige Konzerte. Dank der Unterstützung von Sponsoren konnte eine neue CD aufgenommen werden, deren Aufnahmen 1999 begannen und im Jahr danach abgeschlossen wurden. Mastering erfolgte im Frühjahr 2001. Die vorliegende CD enthält einen Mix aus Nummern, welche die Band bereits in den 70er Jahren live gespielt hatte, und neuen Songs.
Am 30. März 2001, unmittelbar vor einem Konzert der Band in der Elisabethenkirche in Basel, werden die frisch gepressten CDs ausgeliefert. Sie wird am 9. Juni 2001 zwischen den 2 Live Sets vom Taufpaten Robert Kohler auf den Namen "Illusions" getauft.